„Wie ein phosphoreszierender Stein, der im Dunkel glänzt,
aber bei Tageshelle jeglichen Reiz als Juwel verliert,
so gibt es ohne Schattenwirkung keine Schönheit.“
– TANIZAKI JUN‘ICHIRO –
Liebe Salongäste,
für Samstag, den 14. Dezember 2024 möchten wir ab 18:00 Uhr herzlich zu unserem nun bereits VIII. Liberalen Kultursalon nach Berlin einladen, um uns in geschätzter Distanz näher zu kommen. Im Rahmen des Liberalen Kultursalons steht in Anlehnung an historische Salon-Kulturen das Zusammenkommen im Namen der nach Freiheit dürstenden Kunst und Kultur im Mittelpunkt. In geschütztem Ambiente eines besonderen Raumes zwischen Öffentlichkeit und Privatheit teilen unsere Salongäste ihren künstlerischen Beitrag, der in einem geselligen Miteinander bei kleinen kulinarischen Köstlichkeiten zu genießen und weiterzudenken ist. Der Art Deiner Kunstdarbietung sind keinerlei Grenzen gesetzt: Ob eine Lesung, ein musikalisches Werk, eine kleine Kunstausstellung, Einblicke in ein Architekturprojekt, die Inszenierung einer Theater- oder Tanzszene, eine essayistische Gedankenskizze, ein Kochrezept oder etwas gänzlich anderes – wir freuen uns auf Deine Ideen und kulturellen Mitbringsel. Es geht um eine Insel des Genusses und des gemeinsamen Denkens inmitten disruptiver Wirklichkeit.
Schatten und Licht pflegen ein dialektisches Verhältnis. Schatten ohne Licht scheint unmöglich; ist jedoch Licht ohne Schatten denkbar? War etwas zuerst – omnipräsentes Hell oder zu erhellendes Dunkel? Schatten bietet Schutz vor gleißender Sonne und schürt ebenso Gefahr durch Kontrollverlust in der Illegalität. Unser Leben mit seinen Schattenseiten, den Schatten der Vergangenheit, teils im Schatten eines anderen stehend und mit der Notwendigkeit von Zeit zu Zeit über seinen eigenen Schatten zu springen ist als Spiel mit Licht und Schatten zu fassen. Der Schatten ist von je her ein polarisiertes Faszinosum für Philosophen wie Platon mit seinem Höhlengleichnis, die Romantiker mit der moralischen Gegenüberstellung von Gut und Böse ebenso wie für Freuds Psychoanalyse. In der Literatur taucht der personifizierte Schatten als anthropologische Komponente auf, dessen Verlust wie bei Hugo von Hofmannstals „Frau ohne Schatten“ (vertont von Richard Strauss) entmenschlicht. Was wird mit Worten beschrieben, was der Fantasie des Rezipienten überlassen? Das Spiel mit dem Schatten, mit nur schemenhaft Erkennbarem weckt Neugierde, Spannung und Anziehung, vermag zu gruseln und zu ängstigen. Wie anrüchig erotisch kann eine transparente Damenstrumpfhose oder ein schwarzes Spitzenoberteil im Vergleich zur klaren Nacktheit wirken. Der Schatten – stets zweidimensional auftretend – ist elementar für die visuelle Kunst: Beim Zeichnen orientiert sich der Künstler am Schattenwurf; in der Photographie spielen die Lichtquelle und der Kontrast als Spiel mit der Polarisierung die Hauptrolle; auf der Opernbühne beeinflusst die Beleuchtung maßgeblich die Stimmung; im Schattentheater werden die Schatten selbst zu den Protagonisten. Kenner vermögen den nationalen Charakter eines Filmes anhand der Farbschattierungen zu benennen. Doch haben Schatten Farben – oder einen Geruch? Auch in der Musik wird der Dualismus zwischen apollinisch und dionysisch aufgespannt. Aber was wäre ein akustischer Schatten?
Der Zauber der Salon-Kultur lebt von Vertrauen und Intimität, sodass wir auf ein aufzeichnungsfreies Veranstaltungsformat großen Wert legen. Smartphones und Uhren dürfen somit gerne in der heimischen Wirklichkeit oder in den abgelegten Manteltaschen verbleiben.
In Vorfreude,
Eure Svenja Schnepel & Helena Bach
Bei Fragen könnt ihr uns gerne jederzeit unter folgender Mailadresse erreichen: helenabach@live.de // schnepel.sv@web.de
Adresse
10119 BerlinVeranstaltungsort
Die Veranstaltung findet in einer privaten Wohnung statt - den Teilnehmenden wird die Adresse in der Anmeldebestätigung vorab per Mail zugesendet.