Berlin

IX. Liberaler Kultursalon: Sehnsucht

8. März 2025 von 18:0023:55
An-/Abmeldefrist 6. März 2025
Vergangene Veranstaltung
Max. Teilnehmerzahl: 30

Was bin ich dir, was bin ich, mein Vaterland?

Ein siecher Säugling, welchen mit tränendem,

Mit hoffnungslosem Blick die Mutter

In den gedultigen Armen schaukelt. (...) 


Was soll des Freundes traulicher Handschlag mir,

Was mir des Frühlings freundlicher Morgengruß,

Was mir der Eiche Schatten? Was der

Blühenden Rebe, der Linde Düfte? (...)

Friedrich Hölderlin // Zornige Sehnsucht 

Liebe Salongäste,

in dieser spezifisch deutschen Wortschöpfung wird das Sehnen zur ebenso genuss- wie schmerzvollen Sucht mit teilweise psycho-pathologischen Zügen. In der wissentlichen Unerreichbarkeit des Ersehnten – gleich ob im platonschen Abwesenden des Pothos oder im Anwesenden des Eros und Himeros – liegt der tiefe Schmerz des Verlangens. Unerfüllte Hoffnung und wirkmächtiger Antrieb gehen Hand in Hand. Mit ihren Anverwandten des Weltschmerzes, der Wehmut, des Heim- oder Fernwehs fokussiert die Sehnsucht eher das Suchen statt das Finden, ein dynamisches Streben anstelle eines statisch Erfüllten – welch Parallele zum Salongeschehen. Das sehnsuchtsvolle Verzehren kann sich auf einen (un-)bekannten Menschen beziehen, einen realen wie imaginierten Ort im Dies- oder Jenseits betreffen oder einen abstrakten Zustand wie Freiheit, Geborgenheit, Vollkommenheit oder sinnstiftende Wirksamkeit adressieren. Auch die Physis vermag eine triebhafte Sehnsucht nach Wärme, Sonnenlicht, Leidenschaft oder in Form von Heißhunger oder dem Broken-Heart-Syndrom auszubilden. Vom Boden der Gegenwart, gefesselt ans Hier und Jetzt, zieht sie aus in Richtung Vergangenheit (nostalgisch-melancholisch) oder gen Zukunft (idealistisch-visionär).

Gerade im Umfeld von Zeiten des Umbruchs entfaltet die Sehnsucht ihre Macht: Schiller lässt im Gedicht „Die Götter Griechenlands“ die Sehnsucht nach dem Mythos infolge der jähen Entzauberung der Welt sprechen; das Vanitas-Motiv verbindet Schönheit und Verfall und verleiht der Todessehnsucht bildhaften Ausdruck. Die Romantik gibt sich der Sehnsucht förmlich hin in Robert Schumanns Liedern, in Richard Wagners Tristanakkord, in der symphonischen Dichtung seines Sohnes mit dem Titel „Sehnsucht“, mit den Wandermotiven eines Caspar David Friedrich oder der symbolträchtigen blauen Blume bei Novalis. Welche Sehnsüchte – ist ein Plural denkbar oder entbehrt er der Größe und Tiefe? – treiben uns heute an? Nach was verzehren wir uns in krisengebeutelten Zeiten schwebender Unsicherheit? Welchen Ausdruck verleihen die einzelnen Künste und Denkrichtungen ihrer vielleicht ganz eigenen Sehnsucht?

Lasst uns am Samstag, den 08. März 2025 ab 18:00 Uhr der geteilten Sehnsucht nach gelebten Momenten, nach experimentellem Weiterdenken Raum schenken. In gespannter Erwartung eurer mitgebrachten Beiträge laden wir herzlich ein zum IX. Liberalen Kultursalon in Berlin!

Im Rahmen des Liberalen Kultursalons steht in Anlehnung an historische Salon-Kulturen das Zusammenkommen im Namen der nach Freiheit dürstenden Kunst und Kultur im Mittelpunkt. In geschütztem Ambiente eines besonderen Raumes zwischen Öffentlichkeit und Privatheit teilen unsere Salongäste ihren künstlerischen Beitrag, der in einem geselligen Miteinander bei kleinen kulinarischen Köstlichkeiten diskursiv zu genießen und weiterzudenken ist. Der Art Deiner Kunstdarbietung sind keinerlei Grenzen gesetzt: Ob eine Lesung, ein musikalisches Werk, eine kleine Kunstausstellung, Einblicke in ein Architekturprojekt, die Inszenierung einer Theater- oder Tanzszene, eine essayistische Gedankenskizze, ein Kochrezept oder etwas gänzlich anderes – wir freuen uns auf Deine Ideen und kulturellen Mitbringsel. Es geht um eine Insel des Genusses und des gemeinsamen Denkens inmitten disruptiver Wirklichkeit.

Der Zauber der Salon-Kultur lebt von Vertrauen und Intimität, sodass wir auf ein aufzeichnungsfreies Veranstaltungsformat großen Wert legen. Smartphones und Uhren dürfen somit gerne in der heimischen Wirklichkeit oder in den abgelegten Manteltaschen verbleiben.

In Vorfreude,
Eure Svenja Schnepel und Helena Bach


Bei Fragen bin ich gerne jederzeit unter folgender Mailadresse erreichbar: helenabach@live.de


Bild: Heinrich Vogler // Sehnsucht // Der Urheber dieses Werks ist 1942 gestorben; es ist daher gemeinfrei, weil seine urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist.


Adresse

10119 Berlin
Deutschland

Veranstaltungsort

Beim Veranstaltungsort handelt es sich um eine private Adresse. Aus diesem Grund, wird erst nach Teilnahmebestätigung die Adresse an die Salongäste versendet.

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