Bei hochsommerlichen Temperaturen trafen sich am 28. und 29. Juni rund 70 (Alt-)Stipendiatinnen und (Alt-)Stipendiaten mit Partnern und Kindern zum ersten VSA-Sommerfest in Würzburg. Im Mittelpunkt standen die Diskussionsrunde zum Thema 'Politikversagen Wohnungsmangel' am Freitagabend sowie am Samstag eine Schifffahrt auf dem Main mit anschließender Wanderung zum Weingut Reiss, wo der Tag mit einer Weinprobe feucht fröhlich ausklang.

Erstmals in seiner jüngeren Geschichte lud der VSA zahlreiche (Alt-)Stipendiatinnen und (Alt-)Stipendiaten mit Kindern und Partnern sowie Freunde der liberalen Familie zum Sommerfest ein. Jung und Alt, Studierende und Alumni mit Kindern, bekannte und weniger bekannte Gesichter fanden den Weg nach Würzburg. Das Sommerfest ist Teil des Alumnijahres und wird sich fortan jährlich mit dem Ball der Stipendiaten und Altstipendiaten abwechseln. A apropos Ball: all denjenigen, die es kaum erwarten können, wieder ihr Tanzbein zu schwingen, sei zugerufen, dass der Ball 2020 am 6. Juni in Aachen stattfinden wird. Details dazu finden sich dann wie immer in aktueller Form auf der Webseite des VSA.

Zum Auftakt des Wochenendes begrüßten die Thomas-Dehler-Stiftung und der VSA zur Diskussionsveranstaltung ‚Politikversagen Wohnungsmangel: Wie kann der freie Markt für bezahlbare Mieten sorgen?‘ zahlreiche Gäste in die Steinburg mit traumhaftem Blick über das Würzburger Panorama mit der Marienburg. Zu Gast waren der Parlamentarische Geschäftsführer der FDP-Fraktion im hessischen Landtag, Jürgen Lenders MdL, Professor Frank Eckardt, der an der Bauhaus-Universität Weimer zur sozialwissenschaftlichen Stadtforschung arbeitet und den gleichlautenden Lehrstuhl innehat sowie Dr. Ralph Henger, der am Institut der Deutschen Wirtschaft in Köln als Senior Economist zu den Themen Wohnungspolitik und Immobilienökonomik arbeitet. Moderiert wurde die Runde von Thomas Nagel. Ein wesentliches Ergebnis der Diskussion war, dass der scharfe Alarmismus der gegenwärtigen Diskussion um Wohnungsmangel und Mietpreiswahnsinn nicht geboten sei; vielmehr würden sich die extremen Auswüchse auf wenige Gebiete in den großen Städten Deutschlands konzentrieren – von einer generellen Entwicklung könne vor allem mit Blick auf den ländlichen Raum und die kleineren und mittelgroßen Städte nicht gesprochen werden. Dass sich die Mietpreise (sowie die Baukosten) in vielen mittleren bis großen Städten nach oben bewegt haben, sei indessen ein Ausdruck des funktionsfähigen Marktes. Eine effiziente Nutzung des vorhandenen Potentials, man denke an innovative Projekte für Wohngemeinschaften oder den oftmals zitierten Dachgeschossausbau, sowie eine maßvolle Ausweitung des Neubaus mit Konzentration auf Nachverdichtung könnten die aktuellen Probleme zumindest erheblich mindern. Dazu sei aber ein politischer Wille sowie eine gezielte Unterstützung notwendig, nicht zuletzt mit Blick auf die administrativen Ressourcen der Städte und Gemeinden. Nach einer interessanten Diskussion mit den Gästen der Veranstaltung traf man sich noch zum gemütlichen Ausklang am Mainufer im Biergarten „Alter Kranen“ in einer wunderbaren lauen Sommernacht.

Für die Frühaufsteher begann der Samstag mit einem Frühstück der Gruppe Babyboomer & X. Hier trafen sich Altstipendiatinnen und Altstipendiaten, um sich zu den Aktivitäten des VSA für die älteren Generationen persönlich auszutauschen. Seine Fortsetzung fand dieser Slot dann später auf dem Schiff. Hier organisierte Dr. Marion Felbel ein World-Café zu den Fragestellungen warum man (aktives) Mitglied im VSA sei, was einen als Mitglied motiviere sowie welche Erwartungen man an den VSA habe, was der Verband verbessern könne. Der hierdurch gewonnene wertvolle Input wird ausgewertet und in die zukünftige Arbeit einfließen.

Um 11:30 Uhr legte dann die „Stadt Würzburg“ mit allen Gästen an Bord zu einer dreistündigen Schifffahrt auf dem Main ab; hier gab es die Möglichkeit zur geselligen Vernetzung mit einem entspannten Blick vom Wasser auf die Stadt und Umgebung – die wunderbare Aussicht des Sonnendecks konnten aber nur die hartgesottenen Sonnenanbeter während der gesamten Fahrt genießen, der Rest suchte doch irgendwann einen schattigen Platz im Unterdeck; zumal es hieß, sich Kraft für die Wanderung durch den Weinberg zu sparen.

Nachdem das Schiff wieder in Würzburg angelegt hatte, übernahm Martina Reiss, die Chefin des gleichnamigen Weingutes, die Führung der leicht dezimierten Gruppe zur Wanderung durch den Weinberg; die hohen Temperaturen von über 30 Grad bei strahlendem Sonnenschein zollten ihren Tribut. Aber auch dank einer ausgedehnten Wasserpause bei ungefähr der Hälfte des Aufstiegs müssen hier keine weiteren Ausfälle notiert werden. Frau Reiss und ihre Kollegin führten die beiden Gruppen professionell durch den Weinberg und erklärten zahlreiche Details des Weinbaus „im Stein“, der, so Reiss, die Sonnenwärme extra gut speichere; darauf hätte man an diesem Tag dann aber doch gerne verzichtet. So manch einer staunte, mit welcher Gelassenheit Frau Reiss bei dieser Hitze blieb; es war offensichtlich, dass sie die Arbeit auf dem Südhang des Steins gewöhnt ist und auch ihre Weinstöcke sehr gut kennt. Während die (Alt-)Stipendiatinnen und (Alt-)Stipendiaten zielstrebig jede noch so kleine Schattenfläche suchten, scheute sie die Sonne nicht, um über den Weinbau zu berichten. Lohn des Aufstiegs war ein traumhafter Ausblick vom „Knutsch-Pavillon“ über Würzburg – es muss das einsame Pärchen dort nachhaltig verstört haben, zu sehen, wie eine heterogene Gruppe von rund 50 Personen plötzlich lauthals an diesem ruhigen Ort einfiel, um sich, bei nach wie vor über 30 Grad im Schatten, einen großzügigen „Schluck am Stein“ zu genehmigen. Während das Pärchen erschrocken die Flucht ergriff, war dies für uns der Auftakt für den Abend im Weingut.

Im Folgenden erfuhren wir, dass der Klimawandel dazu führe, dass auch in Würzburg französische Weine wachsen könnten; da für die hiesigen Weingüter aber der lokale Bezug dominant sei, würden die typisch fränkischen Weine – Silvaner, Müller-Thurgau, Riesling – nicht ersetzt. Das Jahr 2018 war so heiß gewesen, dass die Weinlese erstmals schon am 28. August begonnen werden konnte; dieses Jahr wird es wohl wieder etwas später werden, da das Jahr lange kühl war und die Hitze erst relativ spät kam. Für Überraschung sorgte die Information, dass zur Klärung des Weines schon seit Langem Gelatine verwendet wird – die Kennzeichnung „veganer Wein“ ist somit nicht nur ein Marketing-Gag.

Im Weingut konnten wir dann, nach dem obligatorischen Begrüßungssekt, noch einen Blick in den Weinkeller werfen und noch mehr über die technischen Details der Weinproduktion lernen. In der Gaststube warteten sodann sechs Weine auf ihre Verkostung: 2018 Maximilian Cuvée trocken, 2017 Veitshöchheimer Sonnenschein WEISSER BURGUNDER Kabinett trocken, 2018 Würzburger Pfaffenberg SPATBURGUNDER Blanc de noirs Kabinett trocken, 2018 Würzburger Pfaffenberg SILVANER Spätlese trocken, 2018 Würzburger Pfaffenberg SCHEUREBE Kabinett und 2018 Würzburger Pfaffenberg TRAMINER Spätlese. Für alle anderen gab es Mineralwasser und Saft; die großzügige Brotzeitplatte war genau die richtige Stärkung nach der Wanderung, und natürlich zum Wein…. Nach dem Ende der Weinprobe fanden sich Jung und Alt dann draußen an der Tischtennisplatte sowie in der Lounge-Ecke wieder; die Kinder konnten alleine im Garten spielen und die Alten den lauen Sommerabend bei noch so mancher Flasche Wein genießen. Wir freuen uns auf eine Fortsetzung.