Was die Marie-Kondo-Methode ist und warum es sogar sinnvoll sein kann, noch mehr Kartons in ein 9 m2-Zimmer zu packen. Von Laura Klimecki

Schwerpunkt

 


Laut Unesco braucht ein Mensch 33 Quadratmeter, um gut leben zu können.

Irgendwo fällt genau jetzt ein Student, der das hier liest, lachend vom Schreibtischstuhl und landet direkt in seiner Dusche. Kann ich verstehen! Mein erstes WG-Zimmer hatte genau neun Quadratmeter und war damit per Definition ein Schuhkarton für maximal eine Person.

Damals hatte ich die geniale Idee, einen Schreibtisch, zwei Regale, eine Kommode und einen Kleiderschrank von IKEA plus ein 1,40 Meter breites Bett dort rein zu stellen. Wirklich niemand, kein einziger, nicht einmal meine eigene Mutter, glaubte damals, dass das jetzt eine gute Idee war. Eine Woche später stand alles und jeder war ehrlich überrascht, dass es da auch noch genug Platz für einen Wäschekorb gab. Und nein, es sah nicht aus, als würde dort ein Messi leben. Im Gegenteil: Alles war aufgeräumt und trotzdem sehr gemütlich. Wie das bitte gehen soll? Nur mit ganz viel Liebe zu Ordnungssystemen.

Wer heute richtig aufräumen will, macht es zum Beispiel wie Marie Kondō: Alles auf einmal, in kurzer Zeit und natürlich perfekt.
Als ich damit anfing, gab es weder einen Namen für die Methode noch war irgendwas »perfekt«. Ich ordnete einfach alles in Boxen und verstaute es dann sorgfältig in den Schränken. Am Ende gab es deshalb nur große, glatte Flächen zu sehen. Und irgendwie wirkte das auch für Besucher stimmig. Wo früher alle lachend den Kopf schüttelten, ist heute ein ganzer Hype ausgebrochen.

Bei immer weniger Wohnraum ist Ordnung auch einfach bitter nötig. So ist es kaum verwunderlich, dass Kondos Buch »Magic Cleaning« ein weltweiter Bestseller wurde.

Und weil »den-Schrank-aufräumen-und-alles-in- Boxen-packen« irgendwie zu sperrig klingt, haben die raffinierten Amerikaner einfach ein Verb eingeführt: »to kondo«, zu deutsch »einen Schrank aufräumen«.

Wer wie ich jetzt dem Schubladen-Chaos zu Hause den Krieg erklären will, schreit einfach: »I kondo!« und legt direkt los. Ja, okay. Schreien muss jetzt nicht sein. Aber loslegen wäre gut. Nur: Wo fängt man jetzt an?

Laut Marie-Kondō-Methode so:

  1. Alle Dinge auf einem Haufen sammeln,
  2. Entscheiden, was behalten wird mithilfe der Frage: Macht mich dieser Gegenstand glücklich, wenn ich ihn in die Hand nehme?,
  3. Jeder Gegenstand, den man behält, bekommt seinen Platz zugewiesen,
  4. Alle Dinge werden dort richtig verstaut.

Wer die aus Japan stammende Methode zu 100 Prozent durchziehen will, braucht Zeit. Viel Zeit. Aus Erfahrung weiß ich zufällig genau, wie aufwendig dieser Prozess ist. Für alle, die einfach ein bisschen mehr Ordnung auf wenig Raum schaffen wollen: Einfach mit den eigenen Jeans anfangen. Alle raus, auf einen Haufen, entscheiden, was happy macht und was nicht. Was glücklich macht, bleibt, der Rest geht (spenden, verkaufen etc.). Was bleibt, wird richtig verstaut, und genau für diesen Part gibt es jetzt eine Step-by-Step-Anlei- tung. Die hilft dann auch bei neun Quadratmetern. Versprochen! 

freiraum #65