Zwei Welten der Entwicklungszusammenarbeit zusammenbringen? Von Héctor Camilo Morales-Muñoz

Forschung


Der Klimawandel und gewaltsame Konflikte sind zwei der dringendsten Probleme unserer Zeit. Sie sind in ihren Ursachen und Lösungen tief miteinander verbunden. Einerseits mehren sich die Anzeichen dafür, dass ein Zusammenhang zwischen klimatischen Veränderungen und Konflikten besteht und dass extreme Wetterereignisse den Hunger verstärken können. Dies kann einen Multiplikatoreffekt haben, welcher wiederum die Wahrscheinlichkeit für soziale Unruhen und Gewalt erhöht oder Konflikte um natürliche Ressourcen (einschließlich des Zugangs zu Land und Wasser) verschärft, insbesondere in von der Landwirtschaft abhängigen Gemeinschaften unter schwierigen Bedingungen. Andererseits können Maßnahmen gegen den Klimawandel sowohl Konflikttreiber (zum Beispiel durch die Einschränkung des Zugangs zu natürlichen Ressourcen) als auch Friedensstifter (zum Beispiel durch die Schaffung nachhaltiger Lebensgrundlagen und die Schaffung von Dialogformaten) sein. Gleichzeitig können friedensfördernde Maßnahmen die Rahmenbedingungen für den Klimaschutz verbessern. Vor diesem Hintergrund hat die internationale Gemeinschaft damit begonnen, Lösungen zu entwickeln, um sowohl konflikt- als auch klimasensibel zu handeln.

Sicherheit oder Umwelt? Warum nicht beides?!

Neben den Herausforderungen der Gewährleistung von Sicherheit, der Abrüstung und der Bereitstellung grundlegender Dienstleistungen besteht eine der kritischsten Komponenten der Friedenskonsolidierung in der Förderung des Wirtschaftswachstums zur Sicherung des Lebensunterhalts der Menschen bei gleichzeitiger Förderung einer nachhaltigen Ressourcennutzung. Nach einem Friedensabkommen sind natürliche Ressourcen (zum Beispiel Land und Wasser) häufig das am leichtesten verfügbare Mittel, um nach einem Konflikt für Stabilität und einen Wirtschaftsaufschwung zu sorgen.

Land ist eine der wichtigsten Ressourcen in Nachkriegssituationen. Dies gilt insbesondere für Konflikte im Zusammenhang mit Land, die zu den häufigsten in den Tropen gehören. Autoren wie Jon Unruh betonen, wie wichtig es sei, den Zugang zu Land und die Landnutzung zu ordnen, um einen nachhaltigen Frieden zu sichern. Nachhaltige Landnutzungssysteme (Agroforst-Systeme, zum Beispiel silvopastoral) bieten innovative Lösungen, um nationale und globale Ziele wie die Reduktion von CO2-Emissionen durch Eindämmung der Entwaldung zu erreichen und gleichzeitig Alternativen für den Lebensunterhalt der Menschen zu bieten und zur Friedenskonsolidierung beizutragen.

Dafür braucht es auch Interventionen in der Wertschöpfungskette, beispielsweise für Kakao: von der entwaldungsfreien nachhaltigen Produktion bis hin zur globalen, fairen Vermarktung. Dies garantiert finanzielle und politische Nachhaltigkeit, um Maßnahmen zu skalieren und Inklusion sowie sozialen Zusammenhalt zu stärken.

Von der Theorie zur Praxis – Beispiele aus dem kolumbianischen Amazonasgebiet

Eine große Herausforderung von Environmental Peacebuilding (EP) besteht darin, ihre Wirkung zu belegen. Es tauchen zum Beispiel Fragen danach auf, welchen Einfluss Projekte zur Bewirtschaftung natürlicher Ressourcen auf verschiedene Dimensionen der Friedenskonsolidierung haben. Als kolumbianischer Politikwissenschaftler und Entwicklungsfachmann für internationale Zusammenarbeit fand ich heraus, dass der Ansatz von EP einen guten Rahmen bietet, um die Herausforderungen zwischen der Bewirtschaftung natürlicher Ressourcen und dem sozialen Zusammenhalt zu lösen. Darüber hinaus ist der kolumbianische Fall ein gutes Beispiel, um Beweise zu sammeln.

In Kolumbien unterzeichneten der Staat und die FARC-Guerilla (Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia) 2016 ein Friedensabkommen, das die Hoffnung auf die Beendigung eines über 50 Jahre währenden, gewaltsamen Konflikts weckte. Nach vier Jahren kristallisierten sich jedoch zwei enorme Herausforderungen für die Umsetzung des Abkommens im Amazonasgebiet heraus. Erstens entstand durch den Abzug der Guerilla ein Machtvakuum, das der Staat nicht umgehend ausfüllte. Andere illegale Gruppen streiten sich um die zuvor von der Guerilla besetzten Gebiete, wodurch die Gefährdung bestimmter Bevölkerungsgruppen stieg. Dies hat dazu geführt, dass die Mordraten an sozialen Aktivisten gestiegen sind. Zweitens sind die Abholzungsraten an Orten, die früher von der Guerilla kontrolliert wurden, um bis zu 40 Prozent gestiegen. Die Hypothese ist, dass die de facto von der Guerilla auferlegte Forstverwaltung, welche die Bauern und andere Akteure davon abhielt, Wald abzuholzen, fehlt.

Obwohl quantitative Studien die Beziehung zwischen Programmen zur Bewirtschaftung natürlicher Ressourcen und Konflikten bewerten, bleibt die Frage bestehen, welche Mechanismen zum Tragen kommen. Um diese Fragen zu beantworten, habe ich einen Forschungsansatz gewählt, der qualitative und quantitative Methoden kombiniert. Auf der Grundlage der Literatur habe ich Dimensionen und Mechanismen der Friedenskonsolidierung herausgearbeitet, die es ermöglichen, die Auswirkungen der Umsetzung nachhaltiger Landnutzungssysteme nach dem Friedensabkommen in der Region Caquetá (Amazonasgebiet Kolumbien) zu beurteilen. Außerdem habe ich Interviews, Umfragen und Gruppendiskussionen mit Experten auf globaler, nationaler (Kolumbien) und lokaler Ebene in den Bereichen Friedensförderung und Bewirtschaftung natürlicher Ressourcen durchgeführt.

Der Fall Kolumbiens zeigt, dass friedensfördernde Dimensionen wie sozioökonomische Inklusion (zum Beispiel nachhaltige Lebensgrundlagen), die Schaffung von funktionalen Verwaltungsstrukturen und der Aufbau von Dialogkapazitäten und einer Friedenskultur angesprochen werden sollten, um die Auswirkungen von EP-Projekten auf die Friedensförderung nach Konflikten zu berücksichtigen. Nationale und lokale Experten – darunter Bauern und indigene Gemeinschaften – erkennen an, dass es an Versuchen zur Konflikttransformation und Verhandlungen mangelt. Dies ist wichtig, wenn es um die Planung, Durchführung und Bewertung von EP-Projekten geht, denn die Umweltzusammenarbeit allein kann nicht die erwünschten langfristigen Auswirkungen auf die Friedenskonsolidierung haben, wenn ihre Dialogmechanismen nicht strukturell und in Eigenverantwortung der lokalen Gemeinschaften eingebunden sind. Darüber hinaus ist es wichtig, den Zugang zu den nationalen Märkten sicherzustellen, um die Lebensgrundlagen als Mechanismus zur Schaffung von Frieden einzubeziehen. Langfristig hängt dies mit der Verbesserung der Einkommen der gefährdeten Bevölkerungsgruppen und der Schaffung einer nachhaltigen Umwelt zusammen, wodurch die Gefährdung der Gemeinschaft durch illegale wirtschaftliche Aktivitäten verringert wird.

  • Héctor Camilo Morales-Muñoz
  • Fachbereich: Agrarwissenschaft
  • Institut: Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) e.V.
  • Universität: Humboldt-Universität zu Berlin

Der Autor ist seit Oktober 2018 in der Promotionsförderung der FNF.

freiraum #68